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Seit mehr als dreißig Jahren schafft der Künstler Jochen Lempert ein in sich zusammenhängendes Werk, bestehend aus Fotografien, Fotogrammen und Publikationen. Darin lässt er Gegebenheiten wie Veränderungen der Natur und ihrer Akteure sinnlich erfahrbar werden. Seine Herangehensweise spielt sich zwischen vergleichendem Sehen, dem Hang zur Wissenschaftlichkeit und künstlerischem Experimentieren ab. Auf diese Weise spürt er den vielseitigen Phänomenen und der Formensprache der Tier- und Pflanzenwelt nach. Der Blick aus Lemperts Atelierfenster folgt einem Admiral im frühen Herbst auf seiner Weiterreise durch eine verkehrsbelebte Straße nach Südwesten. Zuvor hat er noch an den Blüten des Efeus gesaugt, der seit Jahren im urbanen Dunst und Lärm an einer Hauswand emporklettert. Auch die Bienen finden den Weg an den grauen, betonierten Flächen vorbei zum Nektar der Efeublüten. Eine Taube bleibt mit ihrem grauen Gefieder hier fast unerkannt. Zurückgedrängt auf ausgewiesene und spärliche Bereiche, sind Tiere und Pflanzen gezwungen, sich in diesem unausgeglichenen Zusammenleben zurechtzufinden und ihre Lebensweisen anzupassen. Sie erscheinen in den vom Menschen angeeigneten urbanen Räumen mehr wie Gäste. Die Schwarz-Weiß-Fotografien behaupten einen warmen, demütigen Blick auf sie. Lemperts Bildsprache lebt von dieser ungebrochenen, feinsinnigen Aufmerksamkeit, die unsere Umwelt wieder näher zu uns rückt, und befragt dabei das Verhältnis von Natur und Kultur. Die menschliche Abgrenzung sowie das jahrhundertelange Übergehen von ökologischen Zusammenhängen erzählt Lempert dabei immer mit.