Rooted

Seit 2005 verfolgt der Fotograf Henk Wildschut die Routen und Stationen flüchtender Menschen in und an den Rändern Europas. Die Erzählung „Rooted“ fängt allein die physischen Hinterlassenschaften der Geflüchteten in Jordanien, Tunesien und dem Libanon ein, die den Betrachtenden den manchmal lang andauernden und zehrenden Weg der Flucht auf andere Weise näherbringt. Zurückgeworfen auf einen unausweichlichen Zustand aus Warten und Hoffen, der sich über Monate bis Jahre hinstreckt, werden die monotonen Zeltlandschaften der Übergangscamps zu temporären Behausungen, die von den Bewohnenden eingenommen, belebt und umsorgt werden. Provisorische Gärten, markierte Areale, die das Verlangen nach Privatheit ausdrücken, gespannte Tücher, die als Sonnen- und/oder Blickschutz herhalten, aufwendig gestaltete Beete, Vogelhäuser oder Blumentöpfe aus Konserven füllen die Einförmigkeit des Alltags. Gleichzeitig veranschaulichen sie das Bedürfnis und die Sehnsucht der Geflüchteten nach Schutz, Fürsorge sowie einem Ort der individuellen Entfaltung und des Rückzugs. Die Gärten und Beete werden zu stillen Zeug*innen für das unmenschliche Ausharren der Geflüchteten in diesem unsicheren Zwischenzustand.