Living Trust

Die Monografie „Living Trust“ des US-amerikanischen Künstlers Buck Ellison zeichnet in scheinbar makellosen, sterilen Fotografien das Milieu der sogenannten W.A.S.P. – Weiße angelsächsische Protestant*innen – nach. W.A.S.P.-Eliten führten die amerikanische Gesellschaft für den größten Teil der Geschichte der Vereinigten Staaten an und behaupteten ihre soziale Vormachtstellung durch Heirat und Vererbung – bis auf drei waren alle US-Präsidenten Mitglieder dieser dominanten Kaste. In einer Welt, die wenig Privatsphäre bietet, interessiert sich Ellison für die Opazität des Lebens vermögender Menschen. Diese Kontrolle fasziniert Ellison und bewegte ihn zu seinen sozialdokumentarischen Arbeiten, die er zusammen mit Schauspielenden und Models inszeniert. Der Titel „Living Trust“ benennt dabei ein US-amerikanisches Steuervehikel, das von vermögenden Privatpersonen bevorzugt wird. Ellisons Ästhetik, die an die Stock- oder Werbefotografie erinnert, überzeichnet eine perfekte Bildoberfläche, unter der eine schonungslose Kritik lauert. Stillleben von Bio-Gemüse, Familienporträts und Wellness-Therapien untersuchen die Vorzüge und Privilegien der weißen Kaste in den Vereinigten Staaten, die die Oberhand behält. „Living Trust“ untersucht diese exklusive Gesellschaftsgruppe, die trotz ihres allmählichen Niedergangs seit den 1940er Jahren weiterhin in Ruhe, fast unbemerkt und gleichsam höflich viele Bereiche des US amerikanischen Lebens beherrscht.